Einspeisung ins Stromnetz. Was passiert mit überschüssigem Solarstrom?
Eine Photovoltaikanlage erzeugt nicht immer genau so viel Strom, wie im Haus gerade benötigt wird. Besonders an sonnigen Tagen kann die Stromproduktion deutlich über dem aktuellen Verbrauch liegen.
Kann dieser Solarstrom weder direkt im Gebäude genutzt noch in einem Batteriespeicher aufgenommen werden, wird der verbleibende PV-Überschuss in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Der selbst erzeugte Strom wird damit nicht ungenutzt abgegeben. Für eingespeisten Solarstrom kann bei entsprechenden Voraussetzungen eine Einspeisevergütung gezahlt werden.
Wann wird Solarstrom ins Netz eingespeist?
Bei einer typischen PV-Anlage mit Eigenverbrauch wird der erzeugte Strom zunächst im eigenen Gebäude genutzt.
Vereinfacht sieht die Reihenfolge so aus:
PV-Erzeugung – direkter Stromverbrauch – Batteriespeicher – Einspeisung ins Stromnetz
Erzeugt die Anlage beispielsweise gerade 6 kW und das Haus benötigt gleichzeitig 2 kW, stehen zunächst 4 kW Überschuss zur Verfügung.
Kann der Batteriespeicher davon 3 kW aufnehmen, verbleibt in diesem Moment noch 1 kW, das in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann.
Wie berechnet sich die eingespeiste Strommenge?
Für eine vereinfachte Jahresbetrachtung lässt sich die Einspeisung aus dem gesamten Solarertrag und dem selbst genutzten Solarstrom ableiten:
Einspeisung = erzeugter Solarstrom − selbst genutzter Solarstrom
Erzeugt eine Photovoltaikanlage beispielsweise 10.000 kWh im Jahr und davon werden 4.500 kWh im eigenen Gebäude genutzt, verbleiben rechnerisch:
10.000 kWh − 4.500 kWh = 5.500 kWh Einspeisung pro Jahr
Die tatsächliche Einspeisemenge wird vom Stromzähler erfasst.
Warum entstehen besonders im Sommer hohe Überschüsse?
Die Solarstromproduktion verteilt sich nicht gleichmäßig über das Jahr.
Im Frühjahr und Sommer kann eine PV-Anlage an sonnigen Tagen deutlich mehr Energie erzeugen, als ein Haushalt gleichzeitig benötigt. Ist der Batteriespeicher bereits geladen, wird der weitere Überschuss eingespeist.
Im Winter kann sich die Situation umkehren. Die Solarproduktion fällt geringer aus und es muss häufiger zusätzlicher Strom aus dem Netz bezogen werden.
Deshalb können innerhalb eines Jahres sowohl eine hohe Einspeisung als auch ein zusätzlicher Netzbezug auftreten.
Ist viel Einspeisung schlecht?
Nicht grundsätzlich.
Eine hohe Einspeisemenge kann schlicht bedeuten, dass die Photovoltaikanlage insgesamt viel Strom erzeugt. Eine Anlage bewusst klein auszulegen, nur damit möglichst wenig eingespeist wird, ist daher nicht automatisch die bessere Lösung.
Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung.
Eine größere PV-Anlage kann mehr Strom für Haushalt, Wärmepumpe und Elektroauto bereitstellen und gleichzeitig zusätzliche Überschüsse erzeugen.
Deshalb sollten Eigenverbrauch, Autarkiegrad, Netzbezug und Einspeisung gemeinsam betrachtet werden.
Kann ein Batteriespeicher die Einspeisung reduzieren?
Ja. Ein Batteriespeicher kann einen Teil des Solarstroms aufnehmen, der ansonsten unmittelbar ins Netz eingespeist würde.
Diese Energie steht anschließend beispielsweise am Abend oder in der Nacht für den eigenen Verbrauch zur Verfügung.
Dadurch steigt in der Regel der Eigenverbrauch und die Einspeisemenge kann sinken.
Ein Speicher sollte allerdings nicht ausschließlich mit dem Ziel dimensioniert werden, möglichst jede Kilowattstunde Überschuss aufzunehmen. Ein sehr großer Speicher kann insbesondere in Monaten mit geringer Solarproduktion nur teilweise genutzt werden.
Elektroauto statt Einspeisung laden
Auch ein Elektroauto kann überschüssigen Solarstrom sinnvoll aufnehmen.
Mit einer entsprechend gesteuerten Wallbox lässt sich die Ladeleistung an die aktuelle PV-Produktion anpassen. Das Fahrzeug wird dann bevorzugt geladen, wenn mehr Solarstrom zur Verfügung steht, als im Haus gerade benötigt wird.
Bei regelmäßiger Anwesenheit des Fahrzeugs während der Sonnenstunden kann PV-Überschussladen deshalb einen Teil der sonst eingespeisten Energie direkt für die Mobilität nutzbar machen.
Einspeisung mit dem PV-Rechner abschätzen
Unser PV-Rechner betrachtet nicht nur den erwarteten Jahresertrag der Photovoltaikanlage. Er stellt diesem auch den Stromverbrauch, zusätzliche Verbraucher und einen möglichen Batteriespeicher gegenüber.
Dadurch lässt sich abschätzen, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms selbst genutzt werden kann und wie viel Energie voraussichtlich als Überschuss für die Einspeisung zur Verfügung steht.
Gerade beim Vergleich verschiedener Anlagen- und Speichergrößen ist dieser Wert hilfreich.
Denn eine gute PV-Planung versucht nicht zwangsläufig, die Einspeisung auf ein Minimum zu reduzieren. Entscheidend ist, den verfügbaren Solarstrom insgesamt sinnvoll zu erzeugen und zu nutzen.


