Zusätzlicher Stromverbrauch eines Elektroautos. Wie viel Strom sollten Sie einplanen?
Ein Elektroauto erhöht den jährlichen Stromverbrauch eines Haushalts. Wie stark, hängt vor allem von der gefahrenen Strecke und dem tatsächlichen Energieverbrauch des Fahrzeugs ab.
Wer eine Photovoltaikanlage plant und sein Elektroauto regelmäßig zu Hause laden möchte, sollte diesen zusätzlichen Bedarf von Anfang an berücksichtigen. Gerade bei einer hohen jährlichen Fahrleistung können schnell mehrere tausend Kilowattstunden zum bisherigen Haushaltsverbrauch hinzukommen.
Wie berechnet sich der Stromverbrauch eines Elektroautos?
Für eine erste Abschätzung reichen zwei Angaben: die jährliche Fahrleistung und der durchschnittliche Verbrauch des Fahrzeugs.
Die Berechnung lautet:
Jahresfahrleistung × Verbrauch in kWh/100 km ÷ 100 = Strombedarf pro Jahr
Ein Elektroauto mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 18 kWh pro 100 Kilometer benötigt bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung rechnerisch:
15.000 km × 18 kWh ÷ 100 = 2.700 kWh pro Jahr
Bei 25.000 Kilometern wären es bereits rund 4.500 kWh.
Diese Werte beschreiben zunächst den Energiebedarf für das Fahren. Beim Laden entstehen zusätzlich Verluste, weshalb der tatsächliche Strombezug an der Wallbox etwas höher ausfallen kann.
Warum ist die Akkugröße für den Jahresverbrauch nicht entscheidend?
Ein häufiger Irrtum ist, den Stromverbrauch eines Elektroautos anhand seiner Akkukapazität abzuschätzen.
Ein Fahrzeug mit einem 80-kWh-Akku verbraucht nicht automatisch mehr Strom im Jahr als eines mit einem 60-kWh-Akku. Die Batterie bestimmt in erster Linie, wie viel Energie gespeichert werden kann und welche Reichweite damit möglich ist.
Für den Jahresverbrauch sind dagegen Fahrleistung und tatsächlicher Verbrauch pro 100 Kilometer entscheidend.
Wer wenig fährt, kann deshalb auch mit einem großen Akku einen vergleichsweise geringen jährlichen Strombedarf haben.
Der reale Verbrauch kann vom Herstellerwert abweichen
Für eine realistische PV-Planung würde ich nach Möglichkeit nicht ausschließlich mit dem offiziellen Fahrzeugwert rechnen.
Geschwindigkeit, Außentemperatur, Heizung und Klimaanlage, Fahrzeuggewicht, Reifen sowie das persönliche Fahrprofil beeinflussen den tatsächlichen Energiebedarf.
Besonders im Winter kann der Verbrauch höher ausfallen. Hinzu kommen Verluste beim Laden und bei der Umwandlung der elektrischen Energie.
Ist das Elektroauto bereits vorhanden, ist deshalb der tatsächlich gemessene Durchschnittsverbrauch die bessere Grundlage für die Berechnung.
Elektroauto möglichst mit eigenem Solarstrom laden
Interessant wird die Kombination aus Photovoltaikanlage und Elektroauto, wenn das Fahrzeug während der Solarstromproduktion zu Hause steht.
Statt überschüssigen PV-Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, kann dieser direkt zum Laden des Fahrzeugs verwendet werden. Eine Wallbox mit PV-Überschussladen kann die Ladeleistung entsprechend der aktuell verfügbaren Solarleistung steuern.
Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch der Photovoltaikanlage erhöhen.
Wer dagegen morgens mit dem Auto zur Arbeit fährt und erst am Abend zurückkommt, hat andere Voraussetzungen. Ein großer Teil der täglichen Solarproduktion ist dann bereits vorbei.
Bei der Planung sollte deshalb nicht nur gefragt werden, wie viel Strom das Elektroauto benötigt, sondern auch, wann es normalerweise zu Hause geladen werden kann.
Sollte die PV-Anlage wegen eines Elektroautos größer geplant werden?
Bei einem geplanten Elektroauto kann es sinnvoll sein, bereits heute zusätzliche PV-Leistung einzuplanen.
Ein Beispiel zeigt die Größenordnung: Benötigt ein Fahrzeug jährlich etwa 3.000 kWh elektrische Energie, steigt ein bisheriger Haushaltsverbrauch von 4.000 kWh rechnerisch auf etwa 7.000 kWh pro Jahr, zuzüglich der tatsächlichen Ladeverluste.
Steht ausreichend geeignete Dachfläche zur Verfügung, sollte dieser zukünftige Mehrbedarf bei der Dimensionierung der Photovoltaikanlage berücksichtigt werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass zusätzlicher Fahrzeugverbrauch und zusätzliche PV-Leistung einfach eins zu eins gleichgesetzt werden können. Solarerzeugung und Ladevorgänge finden nicht automatisch zur gleichen Zeit statt.
Welchen Verbrauch sollte ich im PV-Rechner angeben?
Ist das Elektroauto bereits vorhanden, verwenden Sie möglichst die tatsächliche jährliche Fahrleistung und den realen Durchschnittsverbrauch.
Bei einem geplanten Fahrzeug kann zunächst mit einem realistischen Verbrauchswert gerechnet werden. Unser PV-Rechner ermittelt daraus den zusätzlichen jährlichen Energiebedarf und berücksichtigt diesen zusammen mit dem Haushaltsstrom und weiteren elektrischen Verbrauchern.
So lässt sich besser einschätzen, wie sich ein Elektroauto auf den zukünftigen Strombedarf auswirkt und welche Anlagenleistung zum Gebäude passen könnte.
Denn bei der Kombination aus Photovoltaik und Elektroauto zählt nicht nur, wie viel Solarstrom im Jahr erzeugt wird. Besonders interessant ist, wie viel davon tatsächlich im eigenen Fahrzeug genutzt werden kann.


